Florian Born
Marketingmensch bei Carrot & Company.
Produziert Content im Schlaf. Andere Leute nennen das "träumen".
10 Minuten

App-Entwicklung: Was kostet das eigentlich?

10 Minuten
veröffentlicht am 28. Februar 2020
Jeden Tag in Verwendung, wer neu einsteigt, weiß aber oft gar nicht, wie viel Aufwand und Ressourcen dahinter stecken. Ein Überblick über die Kosten der App-Entwicklung.

Wie viel kostet die Entwicklung einer App oder eines digitalen Produkts? Na los! Ratet. Wir warten. 10.000€? 50.000? 200.000? Wir geben zu: Die Frage war nicht gerade fair. Die Antwort hängt schließlich von einer Unzahl an Faktoren ab. Vom Funktionsumfang, von den technischen Voraussetzungen, vom aktuellen Stadium der Software. Aber bleiben wir für den Anfang einfach mal plakativ und starten wir mit einer Median-Zahl:

Rund 160.000 Euro

War das weniger, als ihr erwartet habt? Mehr? Habt ihr ins Schwarze getroffen? Es ist jedenfalls der Median des Preises, den Experten-Agenturen laut ThinkMobiles rund um die Welt angeben. Laut ihnen liegt der Preis für komplexere Apps üblicherweise zwischen 90.000 € und 460.000 €.

Mit App ist in diesem Kontext übrigens konkret eine fertiggestellte Mobile-App gemeint. Oder zumindest so fertig gestellt, wie Software je werden kann. Die Preisspanne verschiebt sich in der Regel nach oben, wenn man mehr als eine Plattform (iOS, Android, Browser etc.) einschließt.

Aber stürzen wir uns nicht gleich in die Details. Es ist einfacher zu verstehen, wenn man ein Beispiel zur Hand nimmt. Codementor.io hat dazu einige bekannte Apps untersucht und rechnet in einem ausführlichen Blogbeitrag vor, wie aufwendig und teuer es wäre, ein Minimal Viable Product (MVP) davon zu rekonstruieren. Sie haben einen Stundensatz von 130 US-Dollar angenommen.

Ein MVP meint konkret eine frühe Version des Produkts, die das absolute Minimum der Funktionen des gesamten Produkts beinhaltet, die man braucht, damit die Software und App überhaupt funktioniert. Der Umfang, den Codementor.io hier berechnet hat, ist also nur ein Bruchteil der gegenwärtigen Versionen der Anwendungen.

Was kostet ein MVP von Facebook?

WhatsApp kommt nach ihrer Rechnung auf 1.157–1.484 Stunden und 150.410–192.920 US-Dollar.

Facebook: 2.800–3.100 Stunden und 364.000–400.000 US-Dollar.

Instagram: 835–1.220 Stunden und 84.500–128.050 US-Dollar.

TikTok: 985–1.910 Stunden und 128.050–248,300 US-Dollar.

Spotify liegt um die 1.000 Stunden, Uber ebenfalls. In beiden Fällen – und auch in denen davor – spielt aber noch die allgemeine Business-Logik der Apps hinein. Spotify und TikTok brauchen die lizenzierte Musik, Uber braucht Autos und die Leute hinter den Lenkrädern. Alle sozialen Netzwerke brauchen Content von Usern.

Die Zahlen geben aber jedenfalls einen guten Überblick. Die Entwicklung – von UX, über Hosting bis Infrastrukturdesign bis eben zum eigentlichen Development – eines digitalen Produkts ist aufwendig und teuer. Wie teuer genau, hängt davon ab, wen man fragt.

Wer entwickelt?

Der Angel-Investor Jason Calacanis erklärt, dass die erste Version einer App zwischen 140.000 und 210.000 Dollar kosten sollte. Laut Manu Kumar liegt der Preis für eine erste stabile Version zwischen 90.000 und 140.000 Dollar. Andere Zahlen liegen zum Beispiel bei 250.000 Dollar für Twitterific.

Der Preis sinkt allerdings recht schnell, wenn man die Frage einer anderen Person stellt. Eine große Agentur oder Entwicklungsfirma mit guter Reputation wird tendenziell einen höheren Preis verlangen als ein kleineres Unternehmen. Freelancer sind nochmal günstiger und natürlich kann man auch in-house entwickeln lassen.

Der günstigere Preis von Freenlancern kommt aber auch oft mit Nachteilen. Freelancer sind manchmal weniger professionell als etablierte Unternehmen. Auch die Kommunikation und das Projektmanagement leiden unter den vielen kleineren Verträgen.

Wer selbst Entwickelnde einstellt, erspart sich das, muss aber aber mit den Langzeit-Verpflichtungen leben, die damit einhergehen. Und natürlich mit langen Hiring-Prozessen, denn gute Leute mit ausreichend Erfahrung für Development und Design sind oft schon vergriffen.

Eine Agentur löst diese Probleme. Sie ist in der Regel also flexibler, die Kommunikation gelingt leichter und die Arbeit ist durch die vorhandene Expertise meist effizienter. Neben dem höheren Preis können aber unter Umständen neue Probleme entstehen. So sollte man darauf achten, dass man nach Ende der Zusammenarbeit mit dem Code umgehen kann und sich der Frage stellen, wer denn eigentlich die Nutzungsrechte für die Software hat. Ersteres lässt sich mit eingeplanten Übergabephasen und etwaigen Schulungen, zweiteres mit fairen Verträgen aus der Welt schaffen.

Um alles mit einem Pricetag zu versehen: Laut Savvy kosten Apps großer Consulting-Firmen 10 Millionen Dollar oder mehr. Größere Creative Agencies verlangen zwischen 100.000 und 2,5 Millionen und kleinere Shops liegen irgendwo zwischen 30.000 und 100.000. Zumindest in den USA.

Wo wird entwickelt?

Das ist der nächste relevante Punkt, den man bedenken sollte: Wo wird die Software denn entwickelt? Immerhin gibt es große preisliche Unterschiede in verschiedenen Märkten. Goodfirms gibt hierzu einen guten Überblick.

Die USA sind dabei wenig überraschend im obersten Segment. Im Schnitt zahlt man dort 110–150 Dollar pro Stunde. Im UK bewegt man sich zwischen 60 und 75 Dollar, in der Ukraine sinkt es auf 30-35 und in Indien ist man bereits bei 20-30. Wichtig anzumerken: Der Preis muss nicht mit der Qualität einhergehen, kann es aber.

Was dafür klar ist: Wer bei der Entwicklung der eigenen App oder des SaaS-Produkts outsourct, muss damit rechnen, dass die Kommunikation und das Projektmanagement dadurch erschwert wird. Zum Teil wegen der Distanz, zum Teil auch wegen kulturellen und sprachlichen Barrieren. Auch kann man damit rechnen, dass man weniger in den Prozess eingebunden sein wird, als bei einem Unternehmen in der Nähe.

Was wird entwickelt?

Zwei der wichtigsten Faktoren für den Preis sind damit geklärt. Bleibt noch ein letzter: der Umfang. Die Faustregel hierbei ist dabei übrigens so simpel wie offensichtlich. Je umfangreicher die Software, je komplexer und mehr Features sie beinhaltet, desto teurer ist sie auch. Thinkmobiles schlüsselt das für Mobile-Apps folgendermaßen auf:

Eine simple App kostet mit einem Stundensatz von 100 Dollar um die 40.000 Dollar. Sie beinhaltet keine API-Integration, kein Back-End, Standard UI-Components, simple Features wie Email-Subscriptions, Social Login, Kalender etc.

Eine moderat-aufwendige App kommt hier bereits auf rund 80.000 Dollar. Dazu gehören individuelle UI-Features, Payment, API-Integration, Adaptationen für Headset und Tablets, und Back-End-Server.

Eine komplexe App kostet schließlich schon ungefähr 150.000 Dollar. Hier haben wir nun Support mehrerer Sprachen, 3rd-Party-Integrations, Individuelle Animationen, komplizierte Back-Ends, ein professionelles Design und real-time features.

Detail-Überblick

Natürlich dienen die Zahlen und Bestandteile nur als ungefährer Maßstab, aber damit lässt sich zumindest schon ein Bild machen. Für alle, die es genauer wissen wollen, hier auch noch Thinkmobiles’ ungefähre Staffelung mit gängigen Features für eine mobile App, jeweils wieder mit einem angenommenen Stundensatz von 100 Dollar:

  • User Login: 2.000 $
  • Push-Notifications: je nach Aufwand 2.000–20.000 $
  • Navigation: 1.000 $
  • Portrait/Landscape-View: 2.000 $
  • Medien-Inhalte: 2.000+ $
  • Geolocation: 5.000+ $
  • Google-Maps-Integration: 2.000 $
  • Chat: 8.000+ $
  • Werbung: 2.000–5.000 $
  • In-App-Käufe: 3.000 $
  • Payment: 10.000 $
  • Synchronisierung zwischen Geräten: 5.000 $
  • Streaming: 3.000+ $
  • Mehrere Sprachen: 1.500 $
  • Offline-Modus: 4.000 $
  • Datenbanken 3.000 $
  • Verwendung von Smartphone-Sensoren: 1.000 $
  • Verschlüsselung von Daten: 2.000+ $
  • Suchfunktionen: 1.000+ $
  • User-Customization: 3.000+ $
  • Optimierung des Standby-Modus: 5.000 $

Man sollte nicht vergessen, dass hier noch Maintenance-Kosten und weitere Faktoren hinzukommen, die sich auf die Business-Logik eurer App auswirken. Das darf man genauso wenig außer Acht lassen wie Kosten für Projekt-Management, Design etc., die in dieser Liste nicht explizit angeführt wurden.

Kurzum: Je mehr Features eine App braucht, desto höher wird auch der Preis. Das lässt sich aber gerade bei der Entwicklung eines MVP auch zum eigenen Vorteil nutzen. Wenn das Budget knapp ist, kann man durch gute Planung und einen geschickten Zugang viel einsparen.

Wie viel war das jetzt nochmal?

Zurück zur Ausgangszahl: Eine Mobile-App kostet rund 160.000 €. Zumindest eine App mit einem größeren Set an Funktionen entwickelt von einer Experten-Agentur in einem Land mit höherem Lohnniveau. Aber es gibt günstigere Länder und kleinere Sets an Features.

Für ein MVP mit einem minimalen Feature-Set in Europa kann man also schon unter 50.000 € aussteigen. Es braucht nur die richtige Planung, einen effizienten Zugang und eine passende Partnerschaft.

Wollt ihr wissen, wie viel die Entwicklung eurer App oder eures digitalen Produkts mit dem Carrot Way kosten würde?