Florian Born
Marketingmensch bei Carrot & Company.
Produziert Content im Schlaf. Andere Leute nennen das "träumen".
6 Minuten

Introvertierte und Extrovertierte: So macht ihr es beiden recht

6 Minuten
Artikel am 31. Januar 2020 gepostet
Nach innen oder nach außen gerichtet? Die beiden Seiten scheinen im Arbeitsalltag nicht vereinbar. Für Erfolg solltet ihr aber gerade darauf hinarbeiten.

Meeting-Ende. Alle packen ihre Laptops, Notizbücher und Stifte weg und gehen aus dem Raum. Wer aufmerksam zusieht, bemerkt zwei Gruppen. Die eine: beschwingt, motiviert, voller Energie. Die andere: müde, still, ausgelaugt. Man sollte meinen, die Extrovertierten und Introvertierten hätten gerade unterschiedliche Besprechungen erlebt.

Aber nein. Sie haben sie nur anders erlebt. Wenn man eines über die beiden Gruppen weiß, dann dass sie unterschiedlich mit Situationen umgehen, in denen sie mit vielen Menschen konfrontiert sind. Genau genommen geht es aber sogar noch weiter. Der Unterschied liegt darin, wie sie die Welt wahrnehmen.

Ein wenig Theorie

Introvertierte und Extrovertierte haben unterschiedliche Grenzen für Reize. Introvertierte nehmen äußere Reize in der Regel viel stärker wahr als ihre Gegenüber. Deshalb sind sie auch leichter überfordert von großen Gruppen an Menschen oder von ausufernden Meetings. Sie haben nichts gegen andere Leute per se, sie sind einfach leichter überreizt.

Extrovertierte sind auf der anderen Seite des Spektrums. Sie brauchen stärkere Reize und sind auch ein wenig schneller gelangweilt mit sich selbst. Sie tun sich schwerer, mit ihren eigenen Gedanken allein zu sein. Dafür leben sie unter vielen Leuten auf, schließen schnell neue Bekanntschaften und gehen mehr aus sich selbst heraus.

Wer glaubt, die eine oder andere Gruppe sei weitaus größer als die andere, der täuscht sich übrigens. Sie halten sich nach den meisten Studien die Waage und machen ungefähr jeweils die Hälfte der Bevölkerung aus. Selbstverständlich mit unterschiedlich starker Ausprägung bei den jeweiligen Individuen.

Unterschiedliche Arbeitsweisen

Die verschiedenen Persönlichkeiten haben natürlich auch grundlegend andere Vorstellungen davon, wie ein guter Arbeitsplatz auszusehen hat. Extrovertierte neigen zu offenen Raumkonzepten, zu häufigen Meetings und Brainstorming-Sessions und zu Small Talk.

Introvertierte bevorzugen eine geschütztere Arbeitsatmosphäre, arbeiten lieber für sich oder in kleinen Gruppen und können Small Talk in der Regel nicht leiden. Mit den Vorstellungen der “anderen” klingt das nicht wirklich vereinbar.

Allerdings muss man genau das tun, wenn man will, dass das eigene Projekt oder Unternehmen Erfolg hat. Alle Gruppen haben Stärken, die man nutzen kann, und Schwächen, auf die man eingehen sollte. Oder mit anderen Worten: Für jeden Steve Jobs braucht es einen Steve Wozniak.

Das Büro

Das Traumbüro der extrovertierten Fraktion ist ein großer offener Raum, in dem man sich ständig mit anderen austauschen kann. Es herrscht reger Diskurs, Geplapper und ständig brainstormt irgendwo eine Gruppe. Damit wird man Introvertierten aber keine Freude machen.

Die fühlen sich wohler, wenn sie irgendwo Rückzugsorte haben. Sie arbeiten lieber entspannt in kleinen Räumen und können sich auf ihre eigenen Gedanken konzentrieren.

Der perfekte Arbeitsplatz ist einer, der beide Gruppen in ihrer Denk- und Arbeitsweise unterstützt. Er bietet sowohl offenen Raum für Diskurs, als auch genügend Möglichkeiten, um sich für konzentriertes Arbeiten zurückzuziehen.

Ist so eine räumliche Aufteilung nicht möglich, kann man sich auch anders behelfen. Extrovertierte könnten in Büros mit kleineren Räumen eben mehr herumwandern und andere besuchen dürfen. Introvertierten sollte es in Großraumbüros erlaubt sein, sich mit Kopfhörern von anderen abzuschirmen. Wichtig ist nur, dass sich niemand unterordnen muss, wenn es auch anders geht.

Meeting-Zeit

Meetings sind eher das Metier der Extrovertierten. Sie leben hier auf und sollten ihre Stärken hier auch weiter ausspielen dürfen. Allerdings können Besprechungen angepasst werden, damit sich auch Introvertierte wohlfühlen.

Es hilft zum Beispiel, wenn nicht mehr als die nötige Anzahl an Leuten im Raum ist. Klare Meetingpläne helfen ebenfalls und auch vom spontanen Brainstorming sollte man sich verabschieden, wenn man die ruhigeren Personen im Raum nicht nachhaltig verstören möchte.

Als Alternative kann man allen Beteiligten ein wenig Vorlaufzeit geben. Inklusive Aufgabe, sich ein paar Gedanken zu machen. Introvertierte können damit ihr Stärke ausspielen, und allein vorarbeiten. Extrovertierte können immer noch während dem Meeting diskutieren.

Go Digital

Es hilft auch, wenn man Teile der Kommunikation im Meeting digital gestaltet. Introvertierte tun sich oft schwer, ihre Meinung kundzutun, während Extrovertierte hin und wieder in ihrem Gedankenstrom gebremst werden müssen. Audience Response Systeme wie feedbackr sind ein hilfreiches Tool dafür.

Mit ihrer Hilfe können Introvertierte ihre Fragen und Meinungen kundtun, ohne zu sehr über ihren Schatten springen zu müssen. Extrovertierte bekommen wertvollen Input, den sie durch ihr generell impulsiveres Wesen vielleicht übersehen hätten.

Und auch sonst ist der digitale Weg oft der richtige, um Introvertierte zu unterstützen. Zum Beispiel um Meetings gleich zu verhindern, die eigentlich eine E-Mail hätten sein können. Das gibt Introvertierten wohlverdiente Pausen zwischen den Meetings, um wieder neue Energie zu tanken.

Stärken und Schwächen

In allen Bereichen geht es letzten Endes darum, auf die Bedürfnisse der einzelnen Personen einzugehen. Das heißt für das Projektmanagement aber nicht nur zu reagieren, wenn jemand um etwas bittet. Stattdessen sollte man bewusst auf die Leute zugehen und Fragen, was sie brauchen.

Wenn man schon dabei ist, kann man auch gleich herausfinden, wie sie glauben, dass sie sich am besten einbringen können. Offene Kommunikation hilft eigentlich fast immer. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Nur so kann man auch die Stärken und Schwächen aller herausfinden und ihnen den Rahmen geben, in dem sie die bestmögliche Arbeit leisten können. Indem man sich nach den Bedürfnissen von Introvertierten, Extrovertierten und allem dazwischen richtet. Im besten Fall kommen dann auch alle glücklich aus den Meetings.

Bei Carrot & Company teilt sich das Team übrigens ungefähr auf in Introvierte und Extrovertierte. Inklusive offenen Räumen und vielen Kopfhörern. Wollt ihr von unserer Arbeitsweise und unserem Team profitieren?